Hello world!

Schon mal ein kurzes Hallo von mir aus der Ukraine, die wirklich nicht weit weg ist (Leipzig-Uzhorod=1000km im Vergleich zu Uzhorod-Kiev=829km). Wir sind am Sonntag morgen um 6:00h in Leipzig mit dem Auto losgefahren und waren am selben Tag um 19:00h hier an der Grenze!

Also alles nicht so wild. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Grenzüberquerung lief mit gewohnter Gelassenheit und Zollbeamten die mit bösen Blicken probieren zu überspielen, dass sie eigentlich ganz nett sind und die sich mehr Sorgen darüber gemacht haben, dass wir Gras schmuggeln könnten, als dass wir keine notariell beglaubigte Ausfuhrerlaubnis für das Auto hatten.

Auf der anderen Seite der Grenze, die demnach jetzt diese ist, hab ich meinen zukünftigen Mentor angerufen, mit dem ich im nächsten Jahr auch zusammenarbeiten werde und der der Schwiegersohn von einem der einflussreichsten Roma hier in Uzhgorod ist, und die Roma NGO “Romani Yag” leitet, in der ich ebenfalls mitarbeiten werde.

Aber das beginnt alles erst morgen.

Neben der NGO “Romani Yag” gibt es auch noch ein Restaurant und Hotel mit dem gleichen Namen, wo wir meinen Mentor und seinen Schwiegervater treffen sollten. Das Restaurant zu finden war nicht leicht und der Versuch scheiterte an wirren Irrfahrten durch Uzhgorod aber auch der Erkenntnis, dass ziemlich viele Jugendliche Englisch sprechen und hilfsbereit sind, aber offensichtlich nicht gerne zugeben, wenn sie den Weg selber nicht wissen….

So mussten wir uns vom Bahnhof abholen lassen. Das Hotel “Romani Yag” lässt sich mit Worten nur schwer beschreiben und ich konnte mir ein staunendes Grinsen den ganzen ersten Abend nicht verkneifen. Alles ist furchtbar neu, pink, orange, goldig und mein Zimmer ist mit dickem Fernseher und Kühlschrank sowie allem anderen was man so braucht (zweites Bett, Auszieh-Doppelcouch für Besuch) ausgestattet. Das aufregendste ist sicherlich das Badezimmer mit einer Mega-Bade-Dusche mit Massage Funktionen, die Wasser aus allen erdenklichen Richtungen spritzen lässt, in der es ein Radio gibt und wenn es hier draußen nicht mehr so heiß ist, werde ich bestimmt auch mal die Badefunktionen ausprobieren.

Also diesmal kein Plumsklo.

Nach einer kurzen Ankommpause kamen schnell “Veronika” Rufe aus dem Flur (ich fürchte das wird noch ein wenig dauern bis ich sofort realisiere, dass ich damit gemeint bin) und wir wurden zum Essen in das zum Hotel gehörende Restaurant geführt. Griechischer Salat ist hier immer noch genauso toll wie sonst (und Schopskij Salat in Mazedonien) und wird bestimmt noch öfter auf meiner Speisekarte stehen. Richtig entspannt war das Essen aber leider nicht, dafür laut und interessant. Optisch ist das Restaurant fast noch opulenter als das Hotel – mit riesigen Bildern an der Wand, die romantisierende Zigeunerstereotype wiedergeben und wahrscheinlich für die gut zahlenden Ukrainer_innen, die dort auch gestern feierten, ein exotisches Flair verbreiten sollen.

Außerdem gab es live Musik mit Keyboard- und Computerbegleitung in einer Lautstärke, dass man sich auch wenn man nebeneinander saß nur in den Pausen zwischen den Liedern kurze Schlagworte zurufen konnte, so dass wir uns bald nach dem Essen und einiger kurzer organisatorischer Absprachen wieder in unsere Zimmer zurückzogen. Jana und Mark (die mich in die Ukraine gefahren haben) schlafen in der Hochzeits-Suite mit Herzchenkissen und Schminktisch. Angesichts der Tatsache, dass ich bei meinen letzten Aufenthalten in der Ukraine meistens auf dem Dorf oder in Wohnungen von Freund_innen übernachtet habe, wo es oft kein fließendes Wasser gab und der Alltag viel Improvisation bedurfte ist diese Unterkunft wirklich eine große Überraschung. Die Kosten im Hotel liegen bei ca. € 12,- pro Person und Nacht im Doppelzimmer – falls Interesse an einem Besuch hier besteht – trotz gehobener Ausstattung nicht obere Preisklasse.

Wie lange ich hier wohnen bleiben werde ist noch nicht sicher, den ersten Monat aber auf jeden Fall.

Am ersten Morgen erschienen wir dann etwas verunsichert (wie war das noch mal mit der Zeitumstellung? Im Sommer? Im Winter? Immer?) kurz nach der verabredeten Zeit im Foyer, wo auch gleich unser Gastgeber sehr verwuschelt und mit einer großen Flasche Wasser (die Party im Restaurant schien noch etwas länger gegangen zu sein, oder sie haben intern weiter gemacht…) auf uns zu kam und meinte, dass es eher noch 20 min. mit dem Frühstück dauern würde. Dafür war es sehr lecker mit Pfannkuchen mit Marmelade und Sahne und Brot mit wenig Käse und viel Fleisch, Tee und Kaffee und für den nächsten Tag haben wir das Frühstück dann gleich um 1 1/2 Stunden nach hinten verschoben.

Dann ging es weiter nach Szernye, in das Dorf in dem ich vor neun Jahren für ein Jahr im Kindergarten gearbeitet habe und, wo heute, wie in der ganzen Ukraine, erster Schultag war, was uns mit vielen großen Schleifen in Haaren von kleinen Mädchen konfrontierte und dazu führte, dass die Kinder auch alle schon ziemlich zeitig wieder zu Hause waren, weil nur mit dem ersten Schultag verbundene Feierlichkeiten, aber kein Unterricht stattfand. Neue Kinder sind in meiner Familie seit meinem letzten Besuch nicht dazu gekommen, gewachsen sind sie alle wahnsinnig und schön war’s wie immer. Nach ein paar Stunden, Kaffee, Bier, Schokolade, mehr Kaffee und Kohlrouladen und dem Austauschen von den letzten Neuigkeiten haben Jana, Mark und ich uns wieder auf den Rückweg nach Uzhgorod gemacht, um auch hier die Stadt vor deren Rückfahrt nach Deutschland noch ein wenig zu erkunden.

Das Hotel liegt etwas außerhalb, aber mit dem Fahrrad, dürfte ich nicht viel länger als 10 min. ins Zentrum brauchen. Uzhgorod ist glaube ich ziemlich ok, es gibt nette bewachsene Gassen mit vielen kleinen Läden und süßen alten Häusern, ein wenig am Hügel gelegen, auf dem sich auch die Burg befindet, die wir uns von außen angesehen haben (und auf der man Jana und mich auf dem Foto oben sieht!), genauso wie das daneben liegende Freilichtmuseum, in dem alte Holzhäuser und Kirchen aus den Karpaten aufgebaut sind. Auch dort waren wieder alle Leute sehr freundlich und interessiert daran, was wir denn hier machen.

Nach der Erkundungstour haben wir noch das Nötigste eingekauft (Wasserkocher, Becher und Schüssel) damit ich mir zukünftig auch alleine was zu essen/trinken machen kann. Sehr begeistert war ich davon, dass einer der großen Supermärkte, die über ein beeindruckendes Sortiment an allem verfügen, was man sich vorstellen kann (wo man aber leider nicht fotografieren darf) außerdem sehr humane Öffnungszeiten von 8-23h hat und ich so sicher nicht viel an Lebensmitteln vermissen werden muss.

Bis jetzt alles sehr, sehr angenehm, morgen Mittag fahre ich wahrscheinlich ins Romani Yag Büro, um eine weitere Mitarbeiterin zu Treffen und ein Projekt zu planen. Was immer das heißen mag.

Leave a Reply

  

  

  

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>