erste eindrücke

Kurzes Update. 16h und ich komme ziemlich durchgeschwitzt vom einkaufen zurück. Ganz schön heiss hier. Vorher war ich beim Bahnhof um zu kucken, wann mein Zug morgen früh nach Szernye geht, wo ich voraussichtlich bis Montag bleiben werde um noch mal Interviews für meine Magisterarbeit zu machen (auch in der Schule). Die Arbeit daran läuft ganz gut, hab fast all mein Material gesichtet und gekürzt, noch zu klärende Fragen rausgeschrieben, den Rest wollte ich heute Abend machen und wenn morgen und übermorgen gut und die nächste Woche so wie diese läuft, dann könnte die Arbeit in ihren groben Zügen nächste Woche fertig sein. Klingt ein bisschen zu ambitioniert? Mal schauen… Wenn’s diesen Monat fertig würde wäre das schon ok….

Aber schreiben hier mit direkter Verbindung – da machte die räumliche Nähe offensichtlich doch ne ganze Menge aus – geht einfach viel besser. Und natürlich auch sehr angenehm zu wissen, dass ich für weitere Fragen nur mal kurz 1 1/2 Stunden rüber fahren muss (Zug scheint auch schneller geworden zu sein – mit der Realität werde ich das erst morgen abgleichen…)

Ansonsten bin ich ziemlich froh, dass ich schon Ungarisch kann, ich weiss gar nicht was meine neue Einsatzstelle sonst mit mir machen würde? Außer mir eine der zur Verfügung stehenden Sprachen bei zu bringen… Na ja, da das mit der Verständigung aber ziemlich gut klappt, hab ich als erste Aufgabe bekommen eine Stiftung zu finden, die ein Projekt für Rechtsberatung für Zigeuner aus der Region finanziert. Leider sind alle Dinge, sprich Projekte, die Zeitung und Beratung die vorher von Romani Yag gemacht wurden mangels Finanzierung in den letzten Monaten abgebrochen und viele der ehemaligen Mitarbeiter sind nicht mehr da. Darum ist es dort bis jetzt auch noch wahnsinnig ungeordnet und Daten über verschiedene Computer verteilt, mit nicht relationierbaren Namen versehen und na ja, von sehr unterschiedlicher Verwertbarkeit…

Ich bin jetzt grade dabei alle vorhandenen Daten zu sichten, nutzbare Informationen auf einer Internetseite zusammen zu stellen und wenn ich einen gewissen Überblick habe, beginnen neue Anträge auszufüllen. Ich glaube mein Chef hätte das zwar lieber andersrum, erst Anträge, dann Internetseite, aber ich mach das lieber der Reihe nach, auf die eine Woche kommt es finde ich nicht an, außerdem können die froh sein, dass ich mich überhaupt mit solchen Dingen auskenne…. (Sind sie auch denk ich.)

Am Montag ziehe ich wahrscheinlich um. Meine Unterbringung war von Anfang an nicht wirklich geklärt, was auch nicht schlimm ist, nur lustig: Nachdem es hieß, ich könnte für € 200,- im Monat hier im Hotel wohnen bleiben, haben sie jeden Tag um € 50,- erhöht, weil sie festgestellt haben, dass es sich für sie sonst, im Vergleich zu den normalen Tagespreisen, nicht rechnet (obwohl hier sonst niemand wohnt). Nachdem ich gesagt habe, dass ich nicht mehr zahlen kann haben wir uns darauf geeinigt ein Zimmer/Wohnung zu suchen. Und nachdem M. aussagte, dass € 150,- durchaus reichten, war auch das schnell gefunden. Für mich werden jetzt drei Parkistanis vor die Tür gesetzt, die bis jetzt bei irgendeinem Verwandten (testvèr=Geschwister, hier aber eher ein weit gefasster Begriff) gewohnt haben. Da gibt es warmes Wasser und einen Schlüssel fürs Zimmer und wahrscheinlich auch ein Klo drinnen. Vielleicht sogar ne Küche die ich mitbenutzen kann. Aber das wird sich dann wohl Montag zeigen.

Im Hotel überraschte mich gerade die Antwort auf die Frage, ob es eine Möglichkeit gäbe meine Wäsche zu waschen. Nein, wir haben hier keine Waschmaschine. Sehr merkwürdig ein Hotel und Restaurant ohne Waschmaschine, dafür Flachbildschirme und Whirlpooldusche (die ich immer noch nicht vernünftig genutzt habe). In dem Zuge habe ich aber auch ein neues wahrscheinlich transkarpatisches Wort gelernt: wasólni (sprich: wascholni). Das eigentliche ungarische Wort wäre mosolni (sprich moscholni), also vom Klang nicht so weit weg, aber da es weder im Russischen, noch im Ukrainischen einen Wortstamm mit wasch- gibt schon ziemlich deutliche Anlehnung ans Deutsche.

Auch die Stereotype die mir bis jetzt präsentiert wurden (von einem Roma/Zigeuner wohlgemerkt), sind nicht ohne: “Unsere Buchhalterin (auf russisch: buchhalter) ist jüdisch. Juden sind sehr gute Buchhalter. Schon immer. Die haben das im Kopf. Die Russen können das nicht so gut.”

Auf die Russen sind sie hier sowie so nicht gut zu sprechen. Das sind alles Diebe und Kommunisten und viel zu streng und starr und zu böse.

Bis ich anfange mich hier mit jemandem über die Dekonstruktion von Stereotypen zu unterhalten wird es aber wohl noch ein wenig dauern…

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