im neuen zuhause

Letzte Woche Mittwoch bin ich in mein neues Zimmer in einem türkisfarbenem neuen Einzelhaus bei einer Romafamilie hier in Uzhhorod gezogen. Das Haus befindet sich im gleichen Viertel wie das Hotel – das Viertel heißt Radvanka und wird hauptsächlich von Roma/Zigeuner_innen bewohnt.
Die Frau, der das Haus gehört ist die Schwester von meinem Chef. Für mich ist es immer wieder schwierig die genauen Familienverhältnisse zu erkenn, oder sie in meine deutschen Verständnisstrukturen zu übertragen. Zwar gibt es für alle ungarischen Begriffe eine deutsche Übersetzung, dennoch stimmt diese nicht immer mit unserem Gebrauch der Wörter überein. Eztera, meine neue Gastgeberin ist verheiratet und hat trotzdem den gleichen Nachnahmen wie ihr Bruder. Sie und ihr Mann, Rudi, wohnen hier gemeinsam mit ihrem Enkel Richard, seiner Frau Vika und ihrem gemeinsamen fünfjährigen Sohn. Vika arbeitet in der Küche des Romani Yag Restaurants und Richard fährt Taxi, die Rudi und Eztera sind Rentner_innen. Das Haus konnten sie gemeinsam bauen nachdem sie ihr altes Grundstück in der Innenstadt verkauft hatten. Um die nicht unerheblichenBetriebskosten zu begleichen müssen sie aber eins der drei Zimmer vermieten.
Auf jeden Fall scheinen auf den ersten Blick alle sehr nett und freundlich. Mit Eztera und Richard spreche ich Ungarisch und mit Rudi und Vika Ukrainisch/Russisch, während sie untereinander Romanes sprechen. Der alltägliche Sprachgebrauch in Transkarpatien ist extrem spannend. Dadurch dass so viele verschiedene ethnische Minderheiten hier leben, die alle in der Familie ihre eigene Sprache sprechen hört man auf der Straße sehr viel Kauderwelsch. Fast alle sprechen mindestens eine weitere der lokalen Sprachen, sei es weil sie sie in der Schule lernen mussten, oder weil sie diese aus familiären Grunden gelernt haben. Das hat zur Folge dass viel Begriffe aus der einen Sprache in die der anderen übernommen wurden. Die meisten Roma/Zigeuner_innen die ich bis jetzt in Uzhhorod kennengelernt habe sprechen mindestens drei Sprachen. Ich habe hier im Haus bis jetzt selten einen Satz gehört, der durchgehend in einer einzigen Sprache gesprochen wurde. Dabei sind die Verben meist auf Romani und die Hauptwörter in Ungarisch oder Ukrainisch/Russisch. Das Prinzip der Verwendung ist eigentlich sehr logisch und bezieht sich immer auf den Kontext. Über Geschehnisse mit Ungar_innen wird gerne auf Ungarisch berichtet, auf Begebenheiten mit Ukrainer_innen wird auf Ukrainisch referiert. Am besten gefiel mir neulich eine Unterhaltung in der es um das Romani Yag Hotel ging. Das Wort “Gast” wurden dabei auf Ungarisch und “bei uns im Restaurant” wiederholt auf Ukranisch gesagt, während die Unterhaltung sonst auf Romanes verlief.
Im gleichen Zuge werden bei allen Bevölkerungsgruppen wie es scheint fast alle Endungen weg gelassen und es reicht, wenn man die unterschiedlichen Wörter aneinander reiht. Für mich und meine rudimentären Kenntnisse in allen diesen Sprachen macht es die Kommunikation im Moment etwas einfacher, aber um mich langfristig auch außerhalb Transkarpatiens verständigen zu können ist es wahrscheinlich eher kontraproduktiv.

An dem Tag an dem ich umgezogen bin habe ich dann auch endlich ein kleines weißes UMTS Modem mit Sim-Karte und Flatrate bekommen und kann jetzt in der ganzen Ukraine mobil ins Internet und somit auch Arbeiten, was ich diese Woche auch ganz fleißig gemacht habe.

Wenn alles gut geht können wir den ersten Projektantrag morgen abschicken und gleich mit dem nächsten Anfangen. www.romaniyag.wordpress.com ist gestern online gegangen, falls jemand nähere Informationen zu dem haben möchte, was Romani Yag bis jetzt gemacht hat.

Leave a Reply

  

  

  

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>