Zumindest ist es hier gerade warm genug um gemütlich ohne Jacke durch die Sonne zu spazieren. Nach wochenlangem grau in grau und allgemein eher unfreundlichem Wetter scheint endlich wieder die Sonne. Wenn in Deutschland die ersten Sonnenstrahlen, die erahnen lassen dass es bald Frühling wird, rauskommen ist das schön, dennoch fühle ich mich dort selten so beschwingt wie hier.
Auf einmal sind alle Menschen auf der Straße – zumindest in den Zigeunervierteln. Großeltern gehen mit ihren Enkelkindern die Straßen auf und ab, von den Grundstücken kommt Musik, es wird gefegt, Gras gezupft, der Hof aufgeräumt, Teppiche ausgeklopft, Autos und Fahrräder repariert und Wäsche aufgehängt. Nachbarn unterhalten sich in kleinen Grüppchen auf der Straße, meine Nachbarin geht mit ihren Hühnern spazieren und der Junge von gegenüber steht in Mamas Pantoffeln und mit Papas Gewähr im Hoftor, ahmt erstaunlich gut Vogellaute nach, um gleich darauf auf die antwortenden Vögel zu schießen.
Es liegt ein unwahrscheinlich toller Geruch von Feuer in der Luft, von dem ich gar nicht genug einatmen kann, auch wenn wahrscheinlich hauptsächlich der Müll verbrannt wird, der beim Aufräumen des Hofes zusammen getragen wurde. Gleichzeitig wirken alle Menschen fröhlich, freundlich und optimistisch (oder bin das nur ich?).
Eine andere Freude, die mir fast täglich – und bei schönem Wetter besonders – widerfährt ist der Gang über die Bahnschienen. Radvanka liegt von der Innenstadt gesehen hinter den Bahnschienen und wenn man nicht die große Straße nehmen möchte muss man eben darüber, gelangt an den Fluss (der gerade wenn es taut auch noch wunderschön türkis leuchtet) an dem man dann weiter Richtung Stadtkern spazieren kann. Kommt man von meinem Haus, biegt man von der Straße ab, geht einen matschigen Weg entlang, vorbei an kleinen Hütten und Häusern steigt über den Müll, der sich hinter den Häusern die Anhebung zu den Schienen hinauf sammelt (je näher an den Schienen desto ärmlicher die Häuser) und sollte lieber nach rechts und links schauen bevor man über die Schienen steigt und ggf. die Bahn vorbei fahren lassen.
Als ich heute wieder Richtung Radvanka stieg blickten mir zwei Hunde entgegen: Vorderpfoten auf den Schienen, Hinterpfoten auf der Erde und Nase im Wind. Der eine überquerte die Schienen der andere blieb stehen. Ein weiterer kam und nahm die gleiche Position ein, um danach ebenfalls die Schienen Richtung Fluss zu überqueren. Der andere verblieb so bis ich abbog. Ob sie eine herankommende Bahn fühlten? Oder es dort besonders riecht? Der Eindruck wird bleiben und aus irgendeinem Grund ein Gefühl von Freiheit, gleichzeitig genauso nah an einer Realität dran wie von ihr entfernt. Unbeschreiblich.
(Und, was soll ich sagen? An solchen Tagen geht es mir großartig. Der Himmel leuchtet, alles strahlt und sieht aus wie im Film, ich grinse und freue mich hier zu sein…)
Soundtrack: Ben Lee – I love Pop Music