ABOUT

IT’S A PROVINZ WHEN YOU ARE WITH THE PEOPLE NOT THE POWER
IT’S A PALAST WHEN YOU CAN SHAPE YOUR OWN WORLD

Diese Seite entstand in dieser Form im Herbst 2008, als ich mich nach Uzhhorod begab, um dort ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen. Uzhhorod ist die regionale Hauptstadt Transkarpatiens, dem westlichsten Bezirk der Ukraine und ist ca. 1 km von der slowakischen Grenze und nicht viele Kilometer mehr von der ungarischen Grenze entfernt. Es ist eine äußerst heterogene Stadt, in der viele Menschen mit unterschiedlichen Sprachen und kulturellen Eigenheiten aufeinander treffen und die von einer bewegten Geschichte mit vielen Verschiebungen nationalstaatlicher Grenzen geprägt ist.

Im Jahr 2000, direkt nach meinem Abitur, begab ich mich das erste Mal nach Transkarpatien, in ein kleines Dorf namens Szernye, um dort ebenfalls ein Freiwilliges Soziales Jahr abzuleisten. Damals hatte ich keine großen Kenntnisse von der Region und bin mehr oder weniger in eine für mich völlig fremde Welt verpflanzt worden. Ich hatte mich weder mit der ungarischen Geschichte – Szernye ist ein ungarisch-sprachiges Dorf – noch mit den Bedingungen der dort lebenden Roma/Zigeuner_innen auseinandergesetzt.

Ich benutze den Doppelbegriff Roma/Zigeuner_innen bewusst in den hier zu findenden Texten. Der Gebrauch des Wortes Roma ist im deutschsprachigen Kontext extrem wichtig, um traditionellen Voruteilen gegenüber “Zigeunern” entgegenzuwirken. Gleichzeitig bezeichnen sich viele der Menschen, mit denen ich über so lange Zeit zusammen gelebt und gearbeitet habe selber als “Cigány” und hatten im Jahr 2000 das Wort Roma noch nie gehört, bzw. bezeichnen inzwischen Bewohner_innen anderer Regionen als “Roma-Cigányok”. Mir fällt es schwer, Menschen mit einem Begriff zu bezeichnen, der für sie in ihrer Selbstdefinition keine Relevanz hat.
In Deutschland werde ich immer wieder gefragt, was denn eigentlich der “richtige” Begriff sei. Die einzige Antwort die ich darauf geben kann, ist dass man nie versuchen sollte unter irgendeinem Begriff verallgemeinernde Aussagen zumachen. Und das ist etwas was nicht nur für den Umgang mit Roma/Zigeuner_innen relevant ist, sondern auch den Gebrauch anderer machtvoller Kategorien wie Geschlecht, nationalstaatliche oder ethnische Zugehörigkeit betrifft. Der beste Umgang erscheint mir offen mit allen Menschen zu reden und sie selber zu fragen, wie sie sich nennen oder genannt werden wollen.
Besonders in Anbetracht einiger aufgebauschter Diskurse, die gerade die Medien und damit auch die deutschsprachige Bevölkerung durchziehen, scheint es wichtig zu betonen, dass wir alle von unserer Umwelt geprägt werden, diese aber genauso auch prägen und keiner von uns ernsthaft an Charakteristika glauben sollte die einer bestimmten Gruppe von Menschen inherent seien.

Auch wenn diese Seite als Möglichkeit begann, um Freund_innen und Familie über meine Erlebnisse in Transkarpatien zu berichten und somit nicht vollständig von ihnen abgeschnitten zu sein, werden wohl nach und nach auch Berichte aus anderen Regionen mit einfließen, die eine ähnliche Intention haben, aber vielleicht auch für mir nicht persönlich bekannte Leser_innen von Interesse sind.

Es ist mir wichtig zu betonen, dass alle hier beschriebenen Ereignisse und Personen meiner subjektiven Wahrnehmung unterliegen und keinerlei universellen Anspruch haben. Ich möchte in keinem Moment allgemein gültige “Wahrheiten” sondern nur persönliche Eindrücke vermitteln. Anders gesagt: All das hier ist Fiktion. Ähnlicheiten zu real existierenden Personen und Handlungen sind rein zufällig.