Bei dem Vorbereitungstreffen hatte ich mir bereits ein Heim angesehen, in das Mädchen aufgenommen werden, die nach dem Erreichen der Volljährigkeit nicht mehr in den staatlichen Heimen bleiben können. Hier lernen sie, wie man einen Haushalt führt, den Garten bewirtschaftet und bekommen weiterführende Schulbildung. Im Vergleich zu den staatlichen Heimen wirkt dieser umgebaute Bauernhof wie das Paradies auf Erden und mir gefiel die Idee, dieses Projekt durch unseren Aufenthalt dort zu unterstützen.
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Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich genau aus der Ukraine zurück kam, aber die Zeit zwischendurch scheint wie ein Augenblinzeln vorbei gegangen zu sein. Gleichzeit habe ich viele Menschen die mir wichtig sind zwischendurch sehen können: Ostern mit der biologischen und nicht-biologischen Familie an der Ostsee, ein Wochenende mit Wahlverwandtschaft bei Hamburg, ein kurzer Besuch in Leipzig und in Berlin habe ich auch mindestens einen Abend/(Eis-)Essen mit fast allen Menschen verbracht, die mir wichtig sind. Dann gab es die großartige MOM- Party, das Wissen, dass unser Magazin und auch das Interesse daran stetig wächst und ganz bald hoffentlich etwas ganz tolles daraus wird.
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Eigentlich war ich mir gar nicht so sicher, ob ich von dieser verhältnismäßig kurzen Reise überhaupt schreiben sollte – bis ich danach gefragt wurde. Und irgendwie ist mir das Schreiben auch noch nie so schwer gefallen. Es geht gegen alle meine Prinzipien nur die negativen Dinge aufzuschreiben, die Tag für Tag auf uns einstürzen, ohne daraus Interventionsmöglichkeiten für die Zukunft zu ziehen. Und das fällt mir hier gerade sehr schwer…
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Wenn ich hier, Tag ein Tag aus, an meinem Schreibtisch sitze komme ich mir des öfteren so vor als sei ich beim wild-life TV direkt dabei. Die Hunde, die hier nachts auf den Grundstücken gehalten werden, verbringen die Tage spielend, liegend und bellend auf der Straße vor meinem Fenster. Fütterung findet allgemein gegen Mittag statt, wenn die einzelnen Haushalte ihre Essensreste auf die Straße werfen. Seit einigen Tagen, ist die Hündin vom Haus gegenüber läufig und ich kann beobachten wie immer wieder einzelne “Besucher” vorbei kommen, die wedelnd vor dem Tor stehen. Sie kommen in den unterschiedlichsten Farben und Größen, einer der kleineren probierte gestern für mindestens eine Stunde nacheinander alle Löcher und Spalten im Zaun in der Hoffnung aus, doch irgendwo hindurch zu passen und endlich zu seiner Auserwählten zu kommen.
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Mein anderer Kontakt mit der immer wieder überraschenden Außenwelt fand im Fotoladen statt, wo ich endlich die Fotos von der Hochzeit entwickeln lassen wollte, auf die die Leute in Szernye schon so lange warteten. Als ich den Laden betrat grüßte mich die Frau die dort über ihren Büchern saß zurück, sah jedoch nicht auf und füllte fleißig weiter Reihen mit Zahlen und Buchstaben. Ich sah mich in der Zeit etwas um und wartete und wartete und wartete, bis sie mich irgendwann fragte was ich denn wolle und mich in das nächste Zimmer, die Dunkelkammer/das Studio verwies, wo ich aufgefordert wurde mich zu setzen und zu warten, bis sie fertig mit dem Belichten von irgendwelchen Bildern waren.
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Eine andere Freude, die mir fast täglich – und bei schönem Wetter besonders – widerfährt ist der Gang über die Bahnschienen. Radvanka liegt von der Innenstadt gesehen hinter den Bahnschienen und wenn man nicht die große Straße nehmen möchte muss man eben darüber, gelangt an den Fluss (der gerade wenn es taut auch noch wunderschön türkis leuchtet) an dem man dann weiter Richtung Stadtkern spazieren kann. Kommt man von meinem Haus, biegt man von der Straße ab, geht einen matschigen Weg entlang, vorbei an kleinen Hütten und Häusern steigt über den Müll, der sich hinter den Häusern die Anhebung zu den Schienen hinauf sammelt…
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Als sie mich sahen, wurde ich gefragt ob ich nicht auch etwas Geld für ihr Singen dazu geben würde. Ich gab einer ihrer Freundinnen Geld und sie lief nach vorne und gab es einem Mann, der es zu dem bereits gesammelten Geld in ein Behältnis tat. Nachdem alle gesungen hatten wurde das Geld gezählt und jede_r Teilnehmer_in bekam den eigenen Teil überreicht. Zum Sieger wurde die Person gekürt, die das meiste Geld gesammelt hatte. Ich war bestürzt über die Einfachheit dieses Konzepts, das ja im Endeffekt jedem die Möglichkeit gab sich den ersten Platz zu kaufen. Wenn man das Geld danach zurück bekommt, müsste man es nicht einmal selber besitzen sondern könnte es sich auch leihen…
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In Uzhhorod war ich aber zunächst nur für 2 1/2 Tage, dann musste ich schon wieder weiter nach Rumänien um dort an einem fünftägigen Seminar für Freiwillige die in Romaprojeken arbeiten und Roma die in Gadje- (= das ist das Romanes Wort für die Mehrheitsbevölkerung) Projekten arbeiten, teilzunehmen. Dabei ist für letztere die Tatsache dass sie Roma sind relativ nebensächlich im Bezug auf ihren Freiwilligendienst und es schien als wussten sie nicht wirklich warum sie eigentlich an diesem Seminar teilnehmen sollten. Sie wollten einfach einen Freiwilligendienst wie alle anderen eben auch machen was sie praktisch ja auch tun. Während des Seminars das als ein Roma-Gadje Dialog gedacht war fand ich es etwas problematisch, dass anfänglich viel Verallgemeinert wurde und wusste nicht genau wie sich die “Roma-Teilnehmer_innen” fühlten ganz ungefragt zu einer Minderheit gezählt zu werden über die die ganze Zeit in der dritten Person geredet wird. Aber im Laufe des Seminars hat sich das gebessert, alle haben mehr oder weniger aktiv teilgenommen, nicht mehr nur aufgenommen sondern auch hinterfragt.
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Bei der Einreise in die Slowakei muss man einige Zollerklärungen ausfüllen. Z.B. über die Zigaretten die man dabei hat, mit Code und Gewicht… das muss man in Ungarn nicht. Aber ich hatte erfahrene Leute dabei, die mir beim Ausfüllen geholfen haben und überraschenderweise alle Ungarisch sprachen, was ich bei dieser Grenze nicht unbedingt erwartet hätte. Offensichtlich wohnen in der Grenzregion in der Slowakei auch sehr viele Ungar_innen. Ob diese doppelte Abhebung zur Zugehörigkeit der jeweiligen Nationalstaaten (Menschen der ungarischen Minderheit pendeln zwischen Ukraine und Slowakei) eine Rolle in ihrem Handeln und Verhalten spielt kann ich nicht sagen, aber von der 3/4 Stunde die diese Grenzüberquerung gedauert hat, könnte ich ewig viele Geschichten erzählen!
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Letzte Woche Mittwoch bin ich in mein neues Zimmer in einem türkisfarbenem neuen Einzelhaus bei einer Romafamilie hier in Uzhhorod gezogen. Das Haus befindet sich im gleichen Viertel wie das Hotel – das Viertel heißt Radvanka und wird hauptsächlich von Roma/Zigeuner_innen bewohnt. Die Frau, der das Haus gehört ist die Schwester von meinem Chef. Für mich ist es immer wieder schwierig die genauen Familienverhältnisse zu erkenn, oder sie in meine deutschen Verständnisstrukturen zu übertragen. Zwar gibt es für alle ungarischen Begriffe eine deutsche Übersetzung, dennoch stimmt diese nicht immer mit unserem Gebrauch der Wörter überein.
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