Letzte Woche Mittwoch bin ich in mein neues Zimmer in einem türkisfarbenem neuen Einzelhaus bei einer Romafamilie hier in Uzhhorod gezogen. Das Haus befindet sich im gleichen Viertel wie das Hotel – das Viertel heißt Radvanka und wird hauptsächlich von Roma/Zigeuner_innen bewohnt. Die Frau, der das Haus gehört ist die Schwester von meinem Chef. Für mich ist es immer wieder schwierig die genauen Familienverhältnisse zu erkenn, oder sie in meine deutschen Verständnisstrukturen zu übertragen. Zwar gibt es für alle ungarischen Begriffe eine deutsche Übersetzung, dennoch stimmt diese nicht immer mit unserem Gebrauch der Wörter überein.
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Außerdem hatte ich grade Besuch von der Tochter unserer Buchhalterin (s.u.) die mir eine Einführung in ukrainische Jugendkultur gab. Sie hat einen fast dreiviertelstündigen mehr oder weniger Monolog geführt (ich konnte mich in eine Unterhaltung auf Ukrainisch verbal noch nicht so richtig einbringen). So erfuhr ich aber zum einen, dass ihr Freund “emo” sei (hier als performative Kategorie zu betrachten, die mit einem gewissen äußerlichen Erscheinung in Kombination mit Musik hier: Slipknot und Rammstein einher geht). “Emo” wird “amo” ausgesprochen und es hat eine Weile gedauert bis ich verstanden hatte was sie meint. Sie hört eher Punk (=Avril Lavigne). Die meisten in ihrer Generation hörten aber Hip Hop und tragen Caps und Hosen, deren Schritt in den Knien hängen… kenne ich, kennt ihr, kennt sie.
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…Vorhin war ich beim Bahnhof um nach zu sehen, wann morgen früh ein Zug nach Szernye fährt, wo ich dann voraussichtlich über das Wochenende bleiben werde um noch mal Interviews für meine Magisterarbeit zu führen (auch in der Schule). Neben der Arbeit bei Romani Yag und später wohl auch bei Romani Cherchen möchte ich hier nämlich auch meine Magisterarbeit über die Roma/Zigeuner_innen in Szernye schreiben. Die Arbeit daran läuft ganz gut, hab fast all mein Material was ich in den letzten Jahren geschrieben und gesammelt habe gesichtet und gekürzt und noch zu klärende Fragen rausgeschrieben.
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Überall um mich herum herrscht sympathisches Chaos. Ich sitze grade auf der Terrasse des Restaurants, das zum Hotel gehört, wollte eigentlich Kartoffelspalten mit Käse essen, stattdessen steht jetzt ein großes Bier und eine Suppe voller Speck und Bohnen vor mir. Lecker schon, aber auf diesem Glibschkram im Mund rum zu kauen klappt trotz größter Bemühungen einfach nicht. Jana und Mark, die so freundlich waren mich aus Deutschland mit all meinem Gepäck für ein Jahr mit dem Auto hierher zu bringen mussten leider nach ein paar Tagen wieder zurück, so dass ich Uzhgorod und meine neue, temporäre Heimat von nun an alleine Erkunden muss.
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…Nach einer kurzen Ankommpause kamen schnell “Veronika” Rufe aus dem Flur (ich fürchte das wird noch ein wenig dauern bis ich sofort realisiere, dass ich damit gemeint bin) und wir wurden zum Essen in das zum Hotel gehörende Restaurant geführt. Griechischer Salat ist hier immer noch genauso toll wie sonst (und Schopskij Salat in Mazedonien) und wird bestimmt noch öfter auf meiner Speisekarte stehen. Richtig entspannt war das Essen aber leider nicht, dafür laut und interessant. Optisch ist das Restaurant fast noch opulenter als das Hotel – mit riesigen Bildern an der Wand, die romantisierende Zigeunerstereotype wiedergeben und wahrscheinlich für die gut zahlenden Ukrainer_innen, die dort auch gestern feierten, ein exotisches Flair verbreiten sollen…
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